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24 Heures Rollers
Viele Sportarten nehmen inzwischen moderne Trends auf oder veranstalten Events rund um ihren Sport. Eine wirklich neuartige Möglichkeit der
Sportausübung wird seit einigen Jahren den Inlineskaterinnen geboten: die 24 Stunden von Le Mans. Hier gilt es, vom 1. Juli um 16:00 Uhr bis zum 2. Juli um
16:00 Uhr möglichst viele Runden auf der traditionellen Rennstrecke “Circuit Bugatti” zurückzulegen.
Zum ersten Mal nahm nun auch ein Team der Sportfreunde Lechtingen die Herausforderung des wohl längsten Skaterrennes Europas an. 
Die Mannschaft der Rooldies mit Kapitän Martin Twellmeyer, Jörg Zielke, Gregor Menke, Michael Luczak, Jürgen Röhling, Dirk Tiemann und Jürgen Tiemann hatte
sich eigens für Le Mans mit Sabine Zielke, Ludger Schlarmann und Andreas Bartke sowie der Betreuerin Doris Röhling verstärkt, um mit maximaler Mannschaftsstärke von 10 Personen die Ausdauerbelastung anzugehen.
Am Freitag, den 30. Juni startete die Mannschaft in Richtung Paris und weiter nach Le Mans. Nachdem Schlafzelte und Küchenzelt aufgebaut waren, wurde bei einem alkoholfreien Getränk die Renntaktik und die
jeweils zu absolvierende Strecke besprochen. Wir Lechtinger haben uns entschieden, das Team in zwei Dreier- und eine Vierergruppe einzuteilen. Jede Gruppe sollte 2 Stunden lang skaten und danach 4 Stunden Zeit zum
Essen und Erholen erhalten. Innerhalb der Gruppe haben wir den Staffelstab nach jeder Runde (4,18 km) gewechselt, um mit den Kräften zu haushalten. Diese Taktik sollte später der Schlüssel zum Erfolg werden.
Am Samstag Morgen begaben sich alle 6.000 SkaterInnen auf Rollen durch die Stadt Le Mans, um sich dem heimischen Publikum vorzustellen. Anschließend ging es zur Proberunde auf die Rennstrecke. Wir stellten
sofort fest, dass dieser Kurs nicht nur bei BMW, Porsche und Ferrari die Guten von den Besseren trennt,
sondern auch für InlineskaterInnen höchst anspruchsvoll ist: sofort nach dem Start geht's auf die 800 m lange, 4
%-ige Steigung bis zum Dunlop-Bogen, an die sich die lange Gefällstrecke mit 3 scharfen Haarnadelkurven anschließt. Nach einer Geraden folgt die Doppel-S Kurve bevor vor der Zielgeraden noch drei unmittelbar
aufeinander folgende Steilkurven zu meistern sein werden.
Der Start am Samstag erfolgte selbstverständlich in der bekannten, traditionellen Le Mans Art: die Sportgeräte (
heute einmal Inlineskates ) stehen auf der linken Startseite, die Sportler stehen in Strümpfen an der rechten Seite der Startgeraden. Hier bewies Jörg Zielke zum ersten Mal, dass er seine Aufgaben gerne ein wenig
schneller als die Anderen erledigt. Bereits auf seiner ersten Runde hatte er ein gute Ausgangsposition erkämpft.
Die Übergabe des Staffelstabes und des Zeit Mess Chips an die weiteren Gruppenmitglieder Sabine, Jürgen R. und Martin verliefen jeweils reibungslos. Alle nutzten die erste Runde, um die Tücken des Kurses und das
Leistungsvermögen der übrigen 592 Teams einschätzen zu können.
Unsere “Box”, in der in der Vorwoche noch das Audi TT Team gearbeitet hatte, war nun der Mittelpunkt für die
nächsten 24 Stunden. Wir teilten sie mit Sportlern aus Bilbao, London, Fankfurt, München, Darmstadt und dem SKF Frauen-Team aus Frankreich.
Zur Atmosphäre des Rennens trug darüber hinaus der immer gleiche Ablauf bei: nach der Staffelübergabe
schnell zurück in die Box, den Zeit-Chip weitergeben, durchatmen, hinsetzen, trinken, ein kurzes Gespräch im
Team, anlegen des neu eingetroffenen zweiten Chips, der Blick auf die Uhr, einrollen an die Strecke, Ausschau halten nach dem Teamkollegen, langsamer Start und nach dem Griff zum Staffelstab ab zum Bergsprint.
Unterwegs immer am Limit fahren, die Ideallinie unter Beachtung der langsameren Skater finden und mit langen,
kräftigen Schritten die Rennpiste abskaten. Auf der Zielgeraden mit einem letzten Sprint die 400 m bis zum Teamkollegen zurücklegen und den Stab in die rechte Hand drücken.
Nach zwei Stunden kam die verdiente Ablösung durch Gruppe 2. Auch bei Andreas, Dirk und Jürgen nun der gleiche Ablauf aus abwarten, einrollen, eine Runde skaten und erholen. Während dessen begab sich Team 1
zum Zeltplatz, um die von Doris zubereiteten Nudeln einzunehmen und für 120 Minuten zu ruhen.
Um 20:00 Uhr waren Ludger, Gregor und Michael an der Reihe. Auch sie wechselten alle 9 Minuten durch und verabschiedeten den Teamkollegen nach der Übergabe des Staffelstabes mit einem freundschaftlichen Klaps in
die Runde.
In der folgenden Nacht nun immer wieder der 2-Stunden Rhythmus für jede Gruppe. Anstatt zu schlafen ging es
auf die mit Flutlicht ausgeleuchtete Strecke. In der Zeit von 24:00 Uhr bis 8:00 Uhr fuhren wir die schnellsten
Runden, weil das Flair der Nacht, die immensen Glückshormone in unseren Körpern und das Arbeiten für die Mannschaft uns stark machten. Am Morgen jedoch, nach einer Nacht ohne echten Schlaf, immer und immer
wieder auf die Rennstrecke zu gehen, erforderte unsere ganze Disziplin.
Bei Mittagstemperaturen von 35 Grad über den Asphalt zu gleiten führte uns schließlich an die persönliche Belastungsgrenze.
In der sportlichen Gesamtwertung waren wir vom anfänglichen Platz 98 auf Platz 55 vorgefahren. Direkt vor uns
hatten sich das Herrenteam aus Griechenland und die aus der Nordliga bekannten Wolfs-Liner gesetzt. Wir wechselten nun ohne Rücksicht auf die bisher gebildeten Gruppen laufend durch, um aufgrund der längeren
Erholungspausen optimale Rundenzeiten zu erzielen. Gegen 14:30 Uhr betrug der Rückstand noch 5:11 Minuten. Ohne Rücksicht auf die Salzränder im Rennanzug ging jeder in der Schlussrunde noch einmal an seine
körperlichen Reserven, getragen von der Stimmung der ausverkauften Ränge und dem Teamgeist der Rooldies. Als wir um 15:46 Uhr Jörg auf die letzten Runden schickten, betrug der Rückstand noch 1:45 Minuten. Wir
glaubten unseren Augen nicht, als Jörg nach zwei Runden von je unter 8 Minuten einen Vorsprung von 1:05
herausgefahren hatte. Exellent. Damit hatten die Rooldies insgesamt 160 Runden absolviert und dabei 669 km in einer durchschnittlichen Rundenzeit von 9 Minuten und 4 Sekunden zurückgelegt.
Unsere Freude war grenzenlos, hatten wir doch mit Gesamtplatz 52 unter 593 Teams namhafte Sportler hinter uns gelassen. Mit Platz 7 in der Veteranenwertung (ab 36 Jahren) überraschten wir uns selbst am meisten.
Diese multi-kulti Sportatmosphäre, das Kennenlernen zahlreicher internationaler Gleichgesinnter an der Strecke
und auf der Strecke, verbunden mit dem einmaligen, äußerst anspruchsvollen Rennkurs bildeten für uns den
Reiz dieser Extrem-Veranstaltung für Mannschaften. Innerhalb von 24 Stunden machten wir Erfahrungen, die uns nicht nur auf dem sportlichen Lebensweg begleiten werden.
Die 24 Stunden von Le Mans sind für uns Lechtinger Inlineskater deshalb mehr als ein Trend und erlebnisreicher als jedes Event.
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